Fuhrmanns Früchtekorb – die Kulturheidelbeere
Das kleine Früchtchen – Die Kulturheidelbeere
Zu unserem Berufsverständnis gehört es, gute Beziehungen zu pflegen. Nicht nur zu Kunden, sondern auch zu Lieferanten. Am besten persönlich. So handhaben wir es beim Dieter Fuhrmann Fruchtgroßhandel seit vielen Jahren. Wir besuchen regelmäßig Messen wie die Grüne Woche, die BioFach oder die Fruit Logistica. Gleichzeitig machen wir uns immer wieder auf den Weg zu unseren Erzeugern. Ob Pfalz, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg – wir wollen wissen, woher unser Obst und Gemüse kommt. Viele dieser Partnerschaften bestehen seit Jahrzehnten.

Mein jüngster Besuch führte mich zu den Jakobs-Höfen in Beelitz und Schäpe. Der Betrieb ist ein langjähriger Partner. Im Frühjahr liefert er Spargel, im Sommer und Herbst Heidelbeeren. Jürgen Jakobs, Chef des Beelitzer Hofes, zeigte sich diesmal deutlich entspannter. Nach der miserablen Heidelbeerernte 2024, bei der viele Blüten erfroren, rechnen er und sein Bruder Josef in diesem Jahr mit 300 bis 400 Tonnen Ertrag.
Verglichen mit den mageren 100 Tonnen des Vorjahres ist das „ein wahrer Segen“, sagt Jakobs. Ganz anders lief es bei den Erdbeeren. Die Ernte in Brandenburg war 2025 eine Katastrophe. Mit rund 640 Tonnen fiel sie so schlecht aus wie seit 1991 nicht mehr. Sie lag mehr als 50 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre.

Zwar werden in Brandenburg zahlreiche Strauchbeeren angebaut. Dazu zählen Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Aronia und Sanddorn. Doch die Beerensaison ist vor allem eines: blau. Der Grund liegt in der steilen Karriere der Kulturheidelbeere in den vergangenen 20 bis 25 Jahren. Viele Spargelbauern suchten nach der Saison neue Nutzungsmöglichkeiten für Personal und Technik. Das galt besonders für den Landkreis Potsdam-Mittelmark. Auch Josef und Jürgen Jakobs gehörten dazu. Ihre Wahl fiel auf die Kulturheidelbeere.

Die Entscheidung war naheliegend. Die Böden im Beelitzer Spargelrevier eignen sich hervorragend für den Anbau. Zudem erhielten die Betriebe wissenschaftliche Unterstützung, etwa vom Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung. Die Kulturheidelbeere trägt den botanischen Namen Vaccinium myrtillus aus der Familie der Ericaceae.
Ein Nachteil blieb: Geduld. Kulturheidelbeersträucher brauchen sieben bis zehn Jahre, bis sie ihren vollen Ertrag erreichen. Dann liefern sie fünf bis zehn Kilogramm Beeren pro Strauch. Die Jakobs-Brüder begannen vor 23 Jahren. Sie starteten mit fünf Hektar Anbaufläche. Darauf pflanzten sie die Sorte Bluecrop, die seit 1952 in den USA zugelassen ist und bis heute weltweit zu den wichtigsten Sorten zählt.

Heute bewirtschaften die Jakobs-Höfe rund 50 Hektar. Neben Bluecrop wachsen dort auch frühere und spätere Sorten wie Elisabeth, Duke oder Liberty. Geerntet wird weiterhin von Hand. Sortierung und Verpackung erfolgen inzwischen größtenteils automatisch.
Die dafür installierte Anlage ist beeindruckend. Sie ist zugleich eine Investition in die Zukunft. „Wir rechnen damit“, sagt Jürgen Jakobs, „dass der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland deutlich steigen wird.“ Aktuell liegt er bei etwa 600 bis 700 Gramm pro Jahr.

Das gesunde ,,Blueberry fever“
In den USA ist dieser Trend längst Realität. Dort brach ein regelrechtes „Blueberry Fever“ aus – und hält bis heute an. In 36 Bundesstaaten werden Kulturheidelbeeren angebaut. Die Fläche umfasst mehr als 25.000 Hektar.
Zahlreiche Publikationen preisen Jahr für Jahr ihren ernährungsphysiologischen Wert. Die Beeren gelten als reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien. Studien renommierter US-Universitäten bescheinigen ihnen eine stressmindernde Wirkung und positive Effekte auf das Immunsystem. Zudem sollen sie das Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle senken. Ein echtes Superfood.
In Deutschland begann der Anbau bereits in den 1930er-Jahren in der Lüneburger Heide. In den letzten Jahren wuchsen sowohl Anbauflächen als auch Konsum. Meiner Ansicht nach ist das Potenzial jedoch noch längst nicht ausgeschöpft.

Übriegens: Von der USA wanderte die Kulturheidelbeere zu uns
Entgegen einer weit verbreiteten Annahme stammt die Kulturheidelbeere nicht von der heimischen Waldheidelbeere ab. Deren Früchte färben beim Pflücken die Finger und beim Essen den Mund blau. Die Kulturheidelbeere hat ihre Wurzeln in Nordamerika. Dort begannen Wissenschaftler Anfang des 20. Jahrhunderts, besonders wertvolle Wildsträucher auszulesen. Sie vermehrten diese vegetativ und pflanzten sie in geschlossenen Beständen an.
Als Pioniere gelten der Botaniker Frederick Vernon Coville aus New York und die Farmerin Elizabeth Coleman White aus New Jersey. Im Jahr 1916 brachten sie eine großfruchtige und ertragreiche Sorte auf den Markt. Sie nannten sie „Rubel“ – nach ihrem Mitarbeiter Rube Leek. Danach entstanden vor allem im Nordosten der USA zahlreiche Heidelbeerplantagen.
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