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Restaurant am Wasser – Ahoi Capt’n Schillow

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Gastronomie auf Berlins Gewässern

Berlin ist eine Stadt des Wassers. Spree, Havel, Dahme und unzählige Kanäle bedecken fast 59 Quadratkilometer des Stadtgebiets. Überall am Ufer haben sich Lokale niedergelassen. Eines der markantesten ist das Restaurantschiff „Capt’n Schillow“. Es liegt am Landwehrkanal nahe dem Charlottenburger Tor – mitten in der Stadt und doch idyllisch im Grünen.

Die Reise eines Schiffes: Von Elmshorn nach Berlin

Die Geschichte des Schiffes begann im Jahr 1909 in Elmshorn. Die Werft Joh. Thormälen & Co. fertigte den stählernen Frachtsegler für 11.800 Mark. Getauft auf den Namen „Bertha“, transportierte das Schiff fast zwei Jahrzehnte lang Getreide, Koks und Baustoffe auf der Ostsee.

In den folgenden Jahrzehnten wechselte das Schiff oft seinen Namen und Besitzer. 1930 wurde ein 70-PS-Dieselmotor eingebaut, da Segelschiffe nicht mehr konkurrenzfähig waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Küstenmotorschiff „Meta“. In den 1980er Jahren war es als Versorgungsschiff vor Norderney und später als Vereinsheim in Emden im Einsatz. 1996 kaufte der Berliner Kapitän Norbert Knüppel das Schiff und überführte es über 600 Kilometer und 18 Schleusen in die Hauptstadt.

Ein Refugium am Landwehrkanal

Kapitän Knüppel machte aus dem Schiff ein schwimmendes Restaurant. Er benannte es nach dem Reeder Werner Schillow. Da er bewusst auf große Werbeschilder verzichtete, blieb das Schiff ein Geheimtipp für Genießer und kein Ziel für Massentourismus. Im Jahr 2012 übernahm Georgi Künnemann das Steuer. Er war bereits 1996 bei der Überführung des Schiffes als Bootsmann an Bord gewesen.

Georgi Künnemann holte seine Frau Tanja an Bord, und mit der diplomierten Betriebswirtin war neben dem Gastronomischen und Schiffstechnischen, das ihr Mann verantwortet, damit auch das Finanzielle fest in familiärer Hand. Die beiden investierten kräftig in die Verbesserung der Ausstattung sowohl auf dem Ober- als auch dem Unterdeck, ließen die sanitären Anlagen erneuern, spannten ein riesiges Sonnensegel und schafften ein gästefreundliches Mobiliar an.
Tanja Künnemann ließ zudem ihren grünen Daumen walten und machte aus der Uferböschung ein kleines Blumenparadies.
Und – last but not least – bekam das mittlerweile veritable Restaurantschiff irgendwann auch ein maritimes Maskottchen – in Form einer lebensgroßen Kapitänsfigur, die – weithin sichtbar – neben dem Ruderhaus ihren Platz fand. „Sie ist ein Geschenk des georgischen Künstlers Zura Shekelashvili“, erklärt Georgi Künnemann, „der während seines UdK-Studiums bei uns als Küchenhilfe jobbte.“

Berlin am Wasser Ahoi Capt'n Schillow

Unser Erstbesuch auf der „Capt’n Schillow“ fand übrigens an einem sommerlichen Donnerstagabend statt. Wir schlenderten vom S-Bahnhof Tiergarten die an kulinarischen Ereignissen eher öde Straße des 17. Juni in Richtung Charlottenburger Tor und fragten uns zunehmend hilflos, wo um Gottes Willen hier ein angesagter gastronomischer Treffpunkt sein könne. Außer einigen Hausbooten, die am Ufer des Landwehrkanals festgemacht sind, weit und breit nichts dergleichen. Die Bewohner einer der schwimmenden Wohnstätten wiesen uns schließlich den Weg – und wir staunten nicht schlecht, wie gut die „Capt’n Schillow“ besucht war. Da feierten einige elegant-distinguierte Damen irgendein Jubiläum, dort tafelte ein ganzer Familienclan mit Kind und Kegel. An einem anderen Tisch der bekannte Galerist und 17. Juni-Trödelmarkt-Gründer Michael Wewerka samt nicht minder bekannter Entourage, schräg gegenüber schließlich eine Gruppe junges Volk …

Kulinarik ohne Firlefanz

Das Schillow-Team schafft tagtäglich eine alltagstaugliche, gemütserhellende Wohlfühlatmosphäre und servieren eine gut geerdete Küche ohne Firlefanz – vom Matjesteller über den Cap’n-Schillow-Labskaus bis zum Durocschweinkarree. Das alles ist bodenständig, sättigend und preislich mehr als kulant.

Die Kombüse der „Capt’n Schillow“ befindet sich im Vorschiff, war einst das Mannschaftslogis und ist weit geräumiger und durch ein großes Deckenfenster auch weit heller als wir es uns vor der ersten Inaugenscheinnahme vorstellen konnten.
Chef am Herd ist der Kambodschaner Bunnara Tep, dessen Geschichte durchaus eine eigene Story wert wäre. Der 63-Jährige wurde 1986 von seiner Regierung nach Leipzig geschickt, um Statistik zu studieren. Nach dem Ende der DDR stand er mit leeren Händen da – ohne Diplom und mit dem Wissen, dass sein Studium auch sonst nichts mehr wert ist. Tep beschloss, einen Neustart zu wagen, ging nach West-Berlin und lernte Koch. Er arbeitete in einer Rathauskantine, in Angelos Ristorante und kam vor 20 Jahren auf die „Cap’n Schillow“.
Gemeinsam mit Phary Khek, ebenfalls in Kambodscha gebürtige und diplomierte Betriebswirtin, beweist er seitdem, dass man nicht zwingend Hamburger sein muss, um Labskaus original zuzubereiten.

Der ehemalige Laderaum ist heute ein eleganter Salon. Mit seiner Mahagonitäfelung und den Messingbullaugen bietet er eine klassisch-gediegene Atmosphäre. Im Winter finden hier beliebte Veranstaltungen wie „Whisky and Crime“ statt, bei denen Krimilesungen mit Menü und Whisky-Verkostung kombiniert werden.

Innerhalb des Schiffes

www.capt-schillow.de

Noch mehr dazu finden Sie in der GARÇON-Ausgabe Nr. 69 !

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