Genussregion Alava im Baskenland

Reisetipp von Anne Wantia: Vitoria-Gasteiz

Vitoria-Gasteiz, Hauptstadt des Baskenlandes, der Hotspot für Genießer in der Region Alava. Ehemals tiefste Provinz hat sich die zweitgrößte Stadt des Baskenlandes zum politischen Zentrum der autonomen Region entwickelt.

Wer Vitoria-Gasteiz besuchen will muss nach Bilbao fliegen, und von dort ist man in etwa einer Stunde Fahrt in Vitoria. Durch eine Landschaft die eher an einen Nationalpark erinnert als an das sonnig, heiße, trockne Spanien. Nadelwälder, Laubbäume, üppige Natur und eine herrliche Landschaft beeindrucken nicht nur uns Besucher.

Den Titel „Green Capital“ trägt die Stadt zu Recht. Ein grüner Ring aus mehreren miteinander verbundenen Parks kreist das Zentrum der Stadt ein. Hier werden Wege mit dem Fahrrad oder dem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt. Nachhaltigkeit wird überall großgeschrieben.

Altstadt Vitoria-Gasteiz

 

Die Altstadt von Vitoria-Gasteiz steigt im wahrsten Sinne des Wortes gen Himmel auf. Der höchste Punkt des mittelalterlichen Stadtkerns ist die Kathedrale Santa María, erbaut im 13. bis 14. Jh. In den engen Gassen des Casco Viejo (Altstadt) sind die Häuser Zeugen einer frühen Stadtgeschichte, die Kathedrale ist der Mittelpunkt dieses historischen Zentrums.

Der weltberühmte Kriminalautor Ken Follett besuchte im Jahr 2000 Vitoria-Gasteiz. Die Kathedrale beeindruckte und inspirierte ihn für seinen Bestseller „Die Säulen der Erde“. Die Bewunderung war nicht nur literarisch – er beteiligte sich auch finanziell am Erhalt des Bauwerks. Mehrmals kam er zurück um sich von den Fortschritten zu überzeugen.

Ken Follett (Statue)

 

Die mittelalterliche Altstadt liegt auf einem Hügel, etwa 20 Meter höher als die Neustadt. Arkadengänge und Treppen verbinden sie. Etwas gruselig anmutend ist der „Platz der Machete“, eine frühere Hinrichtungsstätte. Eine nachgemachte Machete hängt als symbolische Mahnung immer noch an der Kirchenmauer. Mit dem Bau der neuen Kathedrale, deren Bau Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen wurde, steht die Stadt für beständige Weiterentwicklung.

Kulinarisch hat die Stadt – was nicht verwunderlich ist – mehr als spanische Hausmannskost zu bieten. Es gibt mehrere ausgezeichnete Restaurants mit vielen Auszeichnungen und Empfehlungen. Das Sagartoki mitten im Zentrum ist bekannt für exzellente baskische Küche.

Genussvolles bieten auch die vielen kleinen Wein- und Pintxo-Bars. Pintxos sind das was im übrigen Spanien Tapas sind. Kleine Köstlichkeiten, meist auf Brot angerichtet mit regionalen Produkten wie es sie nur hier gibt. Unsere Empfehlung: „Gilda“, ein Pintxo aus Peperoni, Anchovis und Olive. Bei „Gilda“ werden Aromen zu harmonischen Feinheiten kreiert die unwiderstehlich sind. Dazu ein Glas Txakoli oder Rioja und man is(s)t im kulinarischen Himmel, was will man mehr? Der einmal im Jahr stattfindende Contest zwischen den Restaurants und Bars ermittelt, wer den besten Pintxo kreiert hat. Dann steht Vitoria-Gasteiz ganz im Glanz der (Koch-) Künstler und feiert bis die Kräfte nachlassen.

Pintxo Jakobsmuschel

 

Ein Wunder, dass diese herrliche Stadt zum Glück keinen Overtourismus kennt. Die Besucher, die hierher kommen sind nicht die typischen Touristen die üblicherweise Spaniens Küsten und Inseln bevölkern. Fast möchte man sagen zum Glück!
Gute Übernachtungsmöglichkeiten zu annehmbaren Preisen findet man rund um die Altstadt. Kleine, schicke Boutique-Hotels mit Hinweisen zu Geschichte und Kultur bieten schöne gepflegte Zimmer mit Flair und gemütlichen Ambiente.
Wein gehört in dieser Region wie das Wasser zum Meer. In etwa 1 Stunde erreicht man das Dorf Elciego mit dem Weingut Marqués de Riscal. Die Bodega ist weit über die Grenzen der Region Álava berühmt. Der Marqués pflanzte Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Reben und legte damit das Fundament für eine Weintradition, die bis heute Stil, Handwerk und Herkunft vereint. Französische Weinbautechniken und eine neue Form der Weinherstellung garantieren erstklassige Weine und schnellen Erfolg.

Weintasting Marqués de Riscal

 

Mit den Flaschen dieses hervorragenden Weins wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. das kein anderer als der namhafte Architekt Frank O. Gehry schreiben sollte. Der Mann, der das Guggenheim-Museum in Bilbao konzipierte stand der Anfrage der Besitzer, ein Hotel zu planen, ablehnend gegenüber. Doch nach dem Öffnen einer Flasche aus seinem Geburtsjahr 1929 konnte er das Vorhaben nicht ablehnen. So entstand ein Hotel, das zeigt wie Weinbau, Landschaft und Moderne sich zu einer Ikone zusammenfügen.

Eine weiter Attraktion sind die Salinas de Añana. Die Salinas zählen zu den ältesten Salzgewinnungsstätten Europas, deren Geschichte über 7.000 Jahre zurückreicht. Salz war ein kostbares Gut, Grundlage von Wohlstand und Macht. Was Añana so einzigartig macht, liegt tief unter der Oberfläche. Vor rund 200 Millionen Jahren bedeckte ein Urmeer diese Region. Als es verdunstete, blieben mächtige Salzschichten zurück. Regenwasser sickert bis heute durch das Gestein, löst das Salz und tritt als hochkonzentrierte Sole an die Oberfläche. Das Salz entsteht hier nicht am Meer, sondern mitten im Landesinneren. Die Sole fließt über die Terrassen, verdunstet langsam und hinterlässt kristallines Salz von höchster Reinheit. Die Salzablagerungen schützen die rund 200 Jahre alten Holzkonstruktionen, konservieren sie auf natürliche Weise und machen sie widerstandsfähig gegen Verfall.

Das Salz aus Añana gilt heute als eines der besten der Welt. Seine besondere Mineralzusammensetzung und die schonende Gewinnung verleihen ihm einen ausgewogenen Geschmack. Weltweit wird von Sterneköchen dieses Salz verwendet. Jedes der Restaurants wird namentlich genannt, dafür gibt es einen besonderen Platz kurz vor dem Ausgang. Hier sind fast alle Sterneköche Spaniens vertreten.

Salinas de Añana

 

Unsere Hotelempfehlung für Ihren Besuch in Vitoria-Gasteiz ist die Casa de Los Arquillos, mitten in der Altstadt. Klare Linien, warme Materialien prägen das Haus und bilden einen Gegensatz zu dem alten Gemäuer. Ein idealer Rückzugsort für den individuell Reisenden.
Wer Natur, Kultur, Kulinarik, Geschichte und Erholung sucht ist in Vitoria-Gasteiz und Alava nicht nur willkommen sondern auch gut aufgehoben.

www.vitoria-gasteiz.org/turismo

Text und Fotos: Anne Wantia

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