Produktion, Verwaltung, Werksverkauf
Walter Confiserie, Berlin-Tempelhof, Wolframstraße 95–96. Ein weites Betriebsgelände, diverse Zweckbauten, dutzende Parkplätze, aber von Walter keine Spur. Erst der zweite Blick findet Indizien, dass hier eines der ältesten Berliner Süßwarenunternehmen zu Hause ist. Bewusstes Understatement?
Caroline Thiedig, die geschäftsführende Gesellschafterin der Walter Confiserie GmbH erklärt: „Tatsächlich hat Rausch bis vor ein paar Jahren hier Schokolade produziert, dann konnten wir die Räume mieten sowie einen Teil der Maschinen übernehmen und sind 2020 aus unserer viel zu kleinen Produktionsstätte in der Großbeerenstraße hierher umgezogen.“ Mit einem Lächeln fügt sie hinzu: “Das hat uns schnell in eine neue Liga gebracht, weil wir hier problemlos weiter wachsen können…“
Walter also. Neben Hamann, Rausch und Sawade eine der Altberliner Traditionsmanufakturen, die zwei Kriege überstanden haben – und nicht nur die.
Hier nur kurz zur Geschichte
Die Geschichte der Walter Confiserie begann am 1. Februar 1915 in zwei Hochparterre-Zimmern eines stattlichen Tempelhofer Mietshauses in der Theodorstraße 5a/Ecke Kaiserin-Augusta-Straße. Am Vormittag des winterlichen, nasskalten Montags eröffnete Hugo Ehrhardt Walter hier seine – wie er selbstbewusst inserierte – Fabrik feiner Schokoladenwaren. Die Wirklichkeit dürfte allerdings weit bescheidener ausgesehen haben, als es die Bezeichnung „Fabrik“ vermuten lässt. Beweise dafür gibt es jedoch nicht, weil aus dem Walter-Gründungsjahr keine Fotografien mehr existieren (falls es überhaupt jemals welche gab) und auch nur noch wenige schriftliche Dokumente vorhanden sind. Immerhin geben einige Zeitungsanzeigen und ein erhaltenes Geschäftsbuch Auskunft, was Hugo Walter Anfang 1915 in seiner Fabrik feiner Schokoladenwaren herstellte und wer die Kunden waren.
Die 1920er waren für die Walter Confiserie goldene Jahre. Der Vorort-Zwerg avancierte zur Berlin-Größe – vor allem, weil Hugo Walter die Produktentwicklung forcierte und ein entsprechendes Marketing organisierte.
So entstand beispielsweise Anfang 1920r legendäre marzipangefüllte Walter-Maikäfer, ein Klassiker, der bis heute produziert wird.
Viele unserer Recherchen verliefen ins Leere, bis zwei Zufälle unsere Geschichte zu einer kleinen Sensation machten: Der erste war die Bekanntschaft mit Gisela Dingler, einer Enkeltochter des Süßwaren-Unternehmers. Der zweite bestand darin, dass die 73-Jährige über einige Jahrzehnte einen Umzugskarton randvoll mit Bildern und Dokumenten ihrer Familie aufbewahrt hat.
Wer mehr über die komplette Geschichte mit vielen alten Bildern erfahren möchte, kann im Magazin GARÇON Nr. 64 nachlesen, oder fragt einfach in unserer Redaktion nach.
Walter Confiserie heute
Nach vielen Aufs und Abs rettete eine Berliner Unternehmerfamilie, zwar branchenfremd, aber schokoladenaffin, die Walter Confiserie.
Seit 2018 hält Caroline Thiedig gemeinsam mit ihrem Bruder Philipp die Gesellschafteranteile der Walter Confiserie GmbH und übernahm drei Jahre später auch die Geschäftsführung.
Das war zwar nicht unbedingt geplant, aber inzwischen ist Caroline Thiedig in der Schokoladenbranche angekommen und hat die Walter Confiserie wieder auf Kurs gebracht.
Den gesamten Werdegang, das ausführliche Interview mit der Chefin und dem Betriebsleiter, sind ebenfalls hier nachzulesen.
Wer Walter ist und was das Unternehmen heute zu bieten hat, lässt sich am besten in einer der vier Filialen der Confiserie in Berlin erfahren:
Charlottenburg, Olivaer Platz 17 | Mitte, Brunnenstraße 13 | Tempelhof, Tempelhofer Damm 182-184 | Zehlendorf, Teltower Damm 27
Je nach Saison – es gibt eine Frühlings-, Oster-, eine Winter-, Weihnachts- und eine Ganzjahreskollektion – werden 250 bis 300 handgefertigte Nougat-, Marzipan-, Schokoladen- und Gebäckspezialitäten angeboten. Darunter die beliebten Champagner-Trüffel, Ingwer-Stäbchen, Nougat-Röschen und Nuss-an-Nuss- oder Mandel-an-Mandel-Platten.
Neu ist, dass in den Walter-Filialen nicht nur Walter verkauft wird, sondern auch Spezialitäten renommierter Partner – etwa Schokoladen von Hamann Berlin oder Heinde & Verre Rotterdam, Pralinen der hauptstädtischen Muya-Manufaktur, das exzellente Stiel-Eis von Paletas, Konfitüren von Rosenrot & Feengrün…