Chalkboard-Designerin Hiromi Moriya

Werbetafeln mit zielgenauen Botschaften

Hiromi Moriya ist eine Meisterin des sogenannten Chalkboard-Designs – der Kunst, mit bunter Kreide auf schwarzen Tafeln aufmerksamkeitsstarke und werbewirksame Bilder zu gestalten. Diese besondere Form der Gestaltung hat eine lange Tradition. Ihre Ursprünge reichen vermutlich bis zu den klassischen Schultafeln zurück, die bereits im 17. Jahrhundert in Klassenzimmern eingesetzt wurden.

Der Autor Franz Wich hat die Geschichte der Tafel ausführlich in seinem Buch Das große Buch der Schultafel beschrieben und reich bebildert dokumentiert. Ein wichtiger Pionier der Tafelzeichnung war der schottische Lehrer James Pillans, der Anfang des 19. Jahrhunderts das Zeichnen auf der Wandtafel im Geografieunterricht populär machte. Auch wenn klassische Schultafeln heute zunehmend aus den Klassenzimmern verschwinden, sind sie im öffentlichen Raum weiterhin präsent. Vor Restaurants, Cafés, auf Märkten oder in Geschäften dienen sie als Werbeflächen, Menütafeln oder Hinweisgeber. Gestalterisch sind diese Tafeln allerdings oft ausbaufähig.

Herkunft: Von Okayama in die Welt

Hiromi Moriya stammt aus der japanischen Stadt Okayama im Süden der Hauptinsel Honshu. Die rund 750.000 Einwohner zählende Stadt ist vor allem für den berühmten Landschaftsgarten Kōraku-en bekannt, der zu den schönsten historischen Gärten Japans zählt und jedes Jahr zahlreiche Touristen anzieht.

Nach dem Schulabschluss ging Moriya zunächst in die USA, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern. Dort entdeckte sie auch zum ersten Mal die professionelle Chalkboard-Kunst. Besonders die aufwendig gestalteten Tafeln in Restaurants in New York beeindruckten sie nachhaltig. Solche Arbeiten kannte sie aus Japan nicht. Während ihres späteren Kunststudiums im australischen Brisbane vertiefte sie diese Leidenschaft und spezialisierte sich auf die Gestaltung von Chalkboard-Botschaften. Zurück in Japan entwickelte sie daraus eine eigene künstlerische Handschrift. Sie gestaltete zahlreiche Tafeln für Unternehmen und arbeitete sogar mehrere Jahre als Dozentin für Chalkboard-Design.

Neustart in Berlin

Im Jahr 2015 zog die Künstlerin mit ihrer Familie nach Berlin. Der Neustart gelang schnell. Besonders die Offenheit der Stadt machte es der Familie leicht, sich einzuleben. Ihr Mann fand Arbeit in einem Friseursalon im Stadtteil Kreuzberg, zwei ihrer drei Söhne wurden in Berlin geboren.

Auch beruflich entwickelte sich ihre Tätigkeit rasch. Zu ihren ersten Auftraggebern gehörten Betreiber kleiner Bistros, Cafés und Marktstände. So gestaltete sie unter anderem Tafeln für das Restaurant Häppies in Prenzlauer Berg sowie für verschiedene Markthändler. Es folgten weitere Gastronomiebetriebe, darunter das äthiopische Restaurant Lalibela in Neukölln, das vietnamesische Restaurant Banh Mi Stable in Prenzlauer Berg und das mexikanische Mayas Restaurante Mexicano in Spandau. Einer ihrer jüngsten Kunden ist das traditionsreiche Café Baier an der Schloßstraße (Steglitz). Die Betreiberin Annette Baier berichtet, man sei im Internet zufällig auf Moriyas Arbeiten gestoßen und sofort von den eindrucksvollen Tafelbildern begeistert gewesen.

Der kreative Prozess

Kleinere Tafeln gestaltet Hiromi Moriya in ihrem Atelier zu Hause. Bei größeren Projekten arbeitet sie direkt vor Ort bei ihren Auftraggebern. Dabei sorgt bereits der Umfang ihrer Arbeitsmaterialien für Staunen. Neben Pinseln, Lappen und Wasserschalen bringt sie eine große Sammlung von Kreidestücken in unterschiedlichen Farben und Größen mit.

Der kreative Prozess beginnt mit feinen Skizzenlinien, mit denen sie Motive und Schriftzüge anlegt. Anschließend verleiht sie den Bildern mit einer speziellen Wischtechnik Struktur und Tiefe, indem sie die Kreide mit den Fingern verwischt. Auf diese Weise entstehen plastisch wirkende Darstellungen mit überraschender Detailgenauigkeit. Ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen bildenden Künstlern liegt in der engen Zusammenarbeit mit ihren Auftraggebern. Diese schildern ihre Vorstellungen zu Motiven und Schriftarten, während Moriya beratend zur Seite steht und Entwürfe entwickelt. Die endgültige Entscheidung über das Design liegt jedoch beim Kunden.

Die besondere Kreide

Neben klassischer Schul- und Pastellkreide verwendet Moriya häufig die hochwertige Kreide der japanischen Marke Hagoromo Fulltouch. Diese wurde 1932 in Japan entwickelt und zeichnet sich dadurch aus, dass sie nahezu staubfrei ist und gleichzeitig eine hohe Stabilität besitzt. Besonders schätzt die Künstlerin die intensive und lebendige Farbwirkung dieser Kreide. Ein amerikanischer Professor bezeichnete sie einmal als „den Steinway unter den Schreib- und Malkreiden“.

Moderne Stillleben aus Kreide

Die Arbeiten von Hiromi Moriya erinnern häufig an moderne Stillleben. Besonders häufig gestaltet sie Arrangements aus Lebensmitteln, Küchenutensilien und Kochwerkzeugen. Ihre Bilder verbinden geometrische Präzision mit kräftiger Farbigkeit und wirken dadurch erstaunlich dreidimensional und fast fotografisch.

Neben klassischen Tafeln entstehen auch großformatige Wandmalereien. Beispiele dafür finden sich unter anderem im Restaurant Lalibela im Berliner Wedding sowie im Mayas Restaurante Mexicano in Spandau. Sowohl ihre Kreidetafeln als auch ihre Wandbilder ziehen die Blicke auf sich und zeigen eindrucksvoll, dass selbst ein scheinbar einfaches Medium wie Kreide zu einer hochentwickelten Kunstform werden kann.

Hier geht’s zur Webseite: www.customchalkboard.de

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