Unser Berliner Teller aus dem QIU

Das Restaurant im 5 Sterne Hotel The Mandala

Das Titelbild und damit unser Berliner Teller im QIU: Besonders gefiel uns ein Gericht, das sich durch perfekte Harmonie und punktuell gesetzte Geschmacksakzente auszeichnete. Lackierte Rippchen vom Fläminger Duroc-Schwein, Erbsencreme mit einem Hauch Piment d’Espelette und glasierte Erbsen, die mit Minzöl interessant aromatisiert wurden.

 

Der Aufsteller auf dem Bürgersteig der Potsdamer Straße passt zwar nur bedingt zum Designhotel The Mandala mit dem famosen Zwei-Sterne-Restaurant Facil on top, aber sei’s drum – auf jeden Fall hilft er Menschen, die nicht regelmäßig in Nobelherbergen und Sternerestaurants verkehren, mögliche Schwellenängste zu überwinden. Die Tafel wirbt für die Lunchofferten im QIU, der früheren Hotelbar, die vor einiger Zeit den Zusatz „Restaurant“ erhielt und damit nicht mehr bar jeder nennenswerten Verköstigung ist. Ganz im Gegenteil. The Mandala-Küchendirektor Michael Kempf hat für das QIU ein kulinarisches Konzept maßgeschneidert und nennt es sogar den „kleinen Bruder des Facil“.

Man erreicht die loungigen Räumlichkeiten in der ersten Etage des Hotels über eine Treppe oder mittels eines Fahrstuhls – das Ambiente ist mediterran luzid wegen der großen Fenster zur Potsdamer Straße und der hohen hellen Wände. Wenige, sorgfältig ausgewählte Accessoires fangen den Blick, dazu einige New-York-Bilder des Fotokünstlers Henrique Schiefferdecker – das alles hat schon Stil.

Der Küchendirektor des QIU

Stilvoll ist auch, was sich Küchendirektor Michael Kempf essensmäßig für das QIU ausgedacht hat. Der 48-jährige Zwei-Sterne-Koch, der bereits seit 22 Jahren im The Mandala Hotel kulinarisch Regie führt, verzichtete auf ein festes Menü und kreierte stattdessen neun Gerichte, kleinere Portionen, die unter der Headline „Tapas Gourmet Selection“ auf der Karte stehen. Der Gast kann nun das tun, was die Spanier „andar al tapeo“ nennen – von Kleinigkeit zu Kleinigkeit springen – etwa vom pochierten Ei mit Brunnenkresse zum Oktopus mit Tomatenmarmelade und dann zum Käse mit Früchtebrot …

Die Karte gilt sowohl für die Lunch- als auch die Dinnertime und Michael Kempf legt Wert darauf, dass die QIU-Gerichte nah bei den Offerten seines Zwei-Sterne- Restaurants Facil liegen. „Was wir im QIU servieren, ist von den gleichen Ideen inspiriert wie das, was im Facil auf die Teller kommt“, erklärt er, „die Portionen sind lediglich kleiner, und wir müssen natürlich auf preistreibende Luxusprodukte wie Kaviar, Trüffel oder Steinbutt verzichten.“ „Außerdem“, fügt der Küchendirektor hinzu, „gibt es auch eine direkte Kooperation, indem Grundprodukte – etwa der Oktopus – im Facil vorbereitet und im QIU weiterverarbeitet werden.

Nach der „kulinarischen Aufrüstung“ des QIU gibt es im Mandala-Hotel nun für Menschen, die Essen nicht nur als schlichte Sättigung betrachten, zwei Lunch- und zwei Dinnerangebote. Mittags im Facil etwa drei Gänge für 88 Euro und alternativ im QIU ebenfalls drei Gänge für 39 Euro. Abends kann man im QIU für den gleichen Preis speisen oder eben im Facil das fünf- bis achtgängige Gourmetmenü für 238 bis 295 Euro genießen (das Facil ist allerdings nur montags bis freitags geöffnet, das QIU auch samstags und sonntags).

Ein starkes Team

Angesichts der angespannten Personalsituation auch in der Spitzengastronomie lag es auf der Hand, dass die Umsetzung dieses Konzepts eine ziemliche Herausforderung war. Michael Kempf bestätigte unsere Vermutung. „Allerdings“, so Kempf, „ist die Fluktuation in unserem Hause vergleichsweise gering, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind schon jahrelang bei uns tätig, hinzu kommen etliche junge Leute die wir ausbilden und einarbeiten, weil wir um den Wert eines starken Teams wissen.

Während unseres Besuchs in der QIU-Küche tätig: der 27-jährige Tim Fabian Baumer, Simeon Rupp, 20 und Koch-Azubi sowie Yokó Matsuura. Die diplomierte Kommunikationsdesignerin und viele Jahre als Marketing-Managerin tätige Japanerin absolviert ein Praktikum und äußerte die Hoffnung, nach dessen Abschluss einen Ausbildungsplatz zur Köchin ergattern zu können. Leider fehlte die Zeit für ein ausführliches Gespräch, aber wir entschieden spontan, das nachzuholen und den weiteren Weg der 53-Jährigen aus Miyazaki, einer Hafenstadt auf der japanischen Südinsel Kyushu, im Auge zu behalten, weil da möglicherweise eine spannende Geschichte in der Luft liegt …

Das Küchen-Trio arbeitete ruhig und unaufgeregt und servierte perfekt angerichtete Teller. Jedes der farbenfrohen Gerichte war Versprechen und Erfüllung zugleich – Erfüllung jetzt, Vorfreude auf das, was noch kommt. Bravo, sagten nicht nur wir, was die junge Crew da macht, besticht mit intensiven Aromen und einem klaren Erscheinungsbild.

Ein Erlebnis!

Dementsprechend ist auch im Netz viel los. Da schreibt beispielsweise Antje Kruse: „Wir sind – mehr oder minder – zufällig im QIU gelandet – Glück gehabt. Die Karte ist überschaubar, aber spannend. Dietrich Amberg ergänzt: „Sehr leckere Küche, kleine Karte mit exquisiter Auswahl an internationalen Gerichten. Nettes Ambiente und sehr freundliches Personal. Sehr zu empfehlen. Just Up packt noch eine Schippe drauf: „Eine exzellente Küche! Die Qualität der Gerichte lässt erahnen, was das Restaurant mit zwei Michelin-Sternen, das Facil, zu bieten hat. Das QIU ist die perfekte Alternative, wenn man etwas weniger Zeit zur Verfügung hat. Und ein Mitarbeiter der D-N-A GmbH schließlich superlativiert: „Für mich das vielleicht beste Mittagsangebot in Berlin. Ein sehr aufmerksames und gastfreundliches Team, eine feine, spannende Küche, das Ganze in einem wunderbar inszenierten Ambiente …“ Keine Frage, das QIU ist jeder Hinsicht ein Erlebnis.

Mandala-Küchendirektor Michael Kempf nennt das Restaurant QIU dann auch schon mal selbstbewusst „den kleinen Bruder des Facil“. Übrigens: Während unseres Besuches fungierte Oliver Ditger, FAB-Manager der Nobelherberge am Potsdamer Platz als Servicechef im QIU. Der 45-jährige Hotelbetriebswirt, immerhin auch schon sechs Jahre im Mandala Hotel tätig, bemerkte unser Erstaunen und kommentierte seinen Einsatz so: „Wir sehen das QIU als eine Art Sprungbrett für das Facil, sehen Sie mich also sozusagen als Coach für die Springer.“

www.qiu.de

Noch mehr Bilder finden Sie in der aktuellen GARÇON-Ausgabe!

AktuellBerlinFacilHotel MANDALAMichael KempfPotsdamer PlatzQIURestaurant
Comments (0)
Add Comment