Alles Käse? Nein Blomeyer!

In einem Atemzug mit Bernard Antony genannt zu werden – das muss man erst einmal schaffen. Fritz Lloyd Blomeyer gelang dieses Kunststück in der vergleichsweise kurzen Reifezeit von vier, fünf Jahren. Wenn heute in einem Berliner Restaurant der Käsewagen-Pilot mit seinem geruchsintensiven Boliden am Tisch Halt macht und der Gast fragt, von wem die Käse stammen, könnte die Antwort durchaus lauten: „Von Maître Antony und von Blomeyer.“

Den meisterlichen Titel muss sich letzterer noch erarbeiten, doch das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Sein eigener Laden, den Blomeyer Ende April eröffnete, könnte das befördern – wichtig ist ihm solche Promotion allerdings nicht. „Titel sind Schall und Rauch“, sagt er. Fritz Lloyd Blomeyer ist auch so im Käsehimmel angekommen – höchste Weihe und größte Wonne für den 31-Jährigen.

Geboren 1984 in Berlin, als Sohn einer deutschen Designprofessorin und eines englischen Architekten – daher der zweite Vorname Lloyd –, hatte er schon als Kind Spaß am Kochen. Dennoch studierte er zunächst Rechtswissenschaften, brach das Studium jedoch nach fünf Semestern ab. Stattdessen widmete er sich seiner Leidenschaft für gute Lebensmittel. In Käsereien in Brandenburg, Schleswig-Holstein und im Allgäu lernte er das Handwerk von Grund auf: Milch dickzulegen, den Bruch herzustellen, zu formen, zu pressen und zu reifen – kurz, Käse zu fertigen.

Fritz Blomeyer – Experte für Rohmilchkäse und Netzwerker

„Ein hochwertiges Nahrungsmittel und eines der spannendsten Naturprodukte“, sagt Blomeyer. 2009 machte er sich mit seinem Wissen selbstständig, um dem Industriekäse handwerklich hergestellte deutsche Produkte entgegenzusetzen. Er beliefert renommierte Berliner Restaurants mit Rohmilchkäse, organisiert Seminare und Verkostungen und hält Vorträge.

Kennengelernt habe ich ihn auf einer Lebensmittelmesse. Gut erinnere ich mich an einen dicht umlagerten Stand, vor dem Dutzende Hände nach Kostproben griffen. Ein Zwei-Meter-Mann reichte „Antons Liebe“ in die Menge, einen Allgäuer Weichkäse, und parlierte dabei gestenreich und mit glänzenden Augen über Alpenglück, Sahneoper und das Gefühl, auf dreißig Kilo Daunen zu schweben – mal auf Deutsch, mal auf Englisch. Ein amerikanischer Tourist brachte es auf den Punkt: „He’s a Cheese Artist.“

Blomeyer – Käsekünstler, Sprachkünstler, Lebenskünstler. Doch diese Zuschreibung greift zu kurz. Nimmt er sich Zeit für Gespräche, zeigt sich eine nachdenklichere Seite. Dann spricht er über Rohmilch und Reife, über Handwerk und Tradition, über die wenigen Käsefelsen in der Brandung eines Meeres aus pasteurisierten Einheitsprodukten.

Mit seinem eigenen Laden – und mehr noch mit dem eigenen Reifekeller – hat sich Blomeyer nun einen Traum erfüllt. Hier legt er selbst Hand an, veredelt die Produkte und verleiht ihnen eine persönliche Note.

Rund 50 Sorten hat er im Angebot: Vertreter heimischer Käsekultur, die sich mit den Favoriten aus Frankreich und der Schweiz messen können. Ziegenkäse aus dem fränkischen Würnsreuth und vom Brandenburger Capriolenhof, Weinbauernkäse aus Geifertshofen im Allgäu, Allgäuer Bergkäse aus der Sennerei Lehern, dreißig Monate gereift, dazu Blauroter, Gepfeffertes Ärschle oder Via Aurelia – schon die Aufzählung lässt den Duft und das Aroma erahnen, das aus der Milch kräuterweidender Kühe entsteht.

Das Geschäft wird heute von der Mayerei Berlin betrieben und wenn man Glückhat, kann man Fritz aber noch antreffen.

Blomeyers Käse
Pestalozzistraße 54a
10627 Berlin

 

blomeyerGenussKäse
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