Frauen am Herd – Doris Burneleit

Published on Juli 1, 2011 by Redaktion   ·   No Comments

Was für eine Frau! Ins landläufige Köchin-Klischee jedenfalls passt Doris Burneleit nicht – schon gar nicht nach stundenlanger Schufterei in ihrer Küche. Selbst dann ist da immer noch dieses spöttische Lächeln – Hallo, Kleiner. Sie trägt schwarze Kochklamotten und als einzige Zierde eine amerikanische Klappbrille, die sie immer mal auf die Nase schiebt, um sich irgendetwas genauer anzusehen. Mit dem Handrücken wischt sie den Schweiß von der Stirn – Herdarbeit ist ein Knochenjob, zumal, wenn man ihn allein macht – ohne Gardemangers, Entremetiers, Sauciers usw.

Charmant, interessant und zuweilen auch provokant – Doris Burneleits Markenzeichen. 2008 beispielsweise, Hoffestfoto vorm Roten Rathaus. 19 Köche, ein Regierender Bürgermeister und – Doris Burneleit. Ihre knallgelben Gummischuhe sind der Hingucker in der Masse schwarz-weißer Kochklamottenträger. Kommentar eines konservativen Kollegen: „Unmöglich!“ Erwiderung Burneleit: „Irgendwer muss doch zeigen, wie bunt die Gastronomie in Berlin ist.“

Doris Burneleit, geboren 1953 in der Lutherstadt Eisleben, hatte 1986 im Ostberliner Stadtteil Spindlersfeld das einzige italienische Restaurant der DDR eröffnet,-

90 Prozent Improvisation, 10 Prozent Perfektion. Beispiel Parmesan. Sie legte Edamer in Weißwein ein und ließ ihn dann in einem gut belüfteten Schornstein trocknen. „Ich hätte damals noch zehnmal schlechter sein können und wäre vermutlich immer noch berühmt geworden.“ Typisch Burneleit, denn so schlecht kann’s in ihrem Fiorello nicht gewesen sein. Immerhin 15 Punkte vergab der 1989 Gault Millau: „Freuen wir uns also über Insalata die mare, Tagliatelle alla Bologna oder Involtini alla Roma mit frischem Salat.“ Wie gesagt, alles zubereitet aus Produkten, die Burneleit dem kabarettreifen DDR-Warenverteilungssystem abluchsen konnte.

Nach dem Mauerfall wurde Doris Burneleit sogar zum ersten gesamtdeutschen Küchengipfel ins Berliner InterConti eingeladen. Hier stand sie gemeinsam mit Eckart Witzigmann, Heinz Winkler und Hans-Peter Wodarz am Herd, staunte über den kulinarischen Horizont der Großmeister in weiß und entschied: Jetzt erst recht!

Dem Fioretto bei Carmers in Charlottenburg folgte die Trattoria Paparazzi in Prenzlauer Berg, die beste Nudelküche östlich des Brandenburger Tores mit der unumstrittenen Spezialität des Hauses an der Spitze Malfati! Bei diesem Gericht aus der Lombardei handelt es sich um Nockerln aus Weißmehl, Ricotta, Spinat und Parmesan, die in schäumender Salbeibutter serviert werden und fast schon vergnügungssteuerpflichtig sind. Grazie mille, Doris.

 

Trattoria Paparazzi

Husemannstr. 35

10435 Berlin-Prenzlauer Berg

Tel. 030 – 440 73 33

www.trattoria-paparazzi.de

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