Eigentlich wollten sie ja ein Innereien-Restaurant aufmachen, „Winklers Igittereien“ oder so ähnlich. Gebackenes Bries, gekochte Zunge, Berliner Leber, Wiener Beuschel, Kalbsnieren in Senfsauce, Kutteln mit Chorizo, Milzschnitten, Hirntaschen und so weiter.
Vermutlich hätten sie mit Wolfram Siebeck einen Dauer-Stammgast gehabt und sicher auch ein massenhaftes Medienecho. Aber Gäste? „Von Siebeck und ein paar Zeitungsartikeln könnt ihr nicht leben“, warnten Freunde. Und: „Berliner finden Innereien in der Regel zum Kotzen.“
Schade, sagten sich Henri Winkler und Kerstin Stejuhn-Pfeiffer, packten ihr Konzept wieder in die Schublade, gaben ihrem kleinen Restaurant den Namen „Winklers“ ohne Beifügung und setzten auf das, was es in Berlin auch nicht an jeder Ecke gibt – eine bodenständige Regionalküche. Haute Hausmannskost.
Die liest sich dann zum Beispiel so: Kotelett vom Saalower Kräuterschwein mit frischem Kraut- und lauwarmem Kartoffelsalat. Oder: Entrecôte vom Pommerschen Rind mit Pfannenkartoffeln und Rosmarinbutter. Oder: Ostseematjes mit Bratkartoffeln und Zwiebeln. Und wer mal Appetit auf einen Sauberbraten hat, der den Namen wirklich verdient, hier wird er selig. Auch die Innereien sind trotz der Warnung von Winklers Freunden nicht von der Speisenkarte verbannt. Es gibt Salonbeuschel, gebackenen Kalbskopf und gebratene Blutwurst, eine aus Frankreich, die Berliner Kreationen sind dem Küchenchef zu kardamomig.
Winkler verzichtet auf preistreibende Luxusprodukte, kocht mit dem gewissen Etwas und bietet eine erfrischende Klarheit, bei der nichts zur Nebensächlichkeit verkommt. Die Entenbrust-Jakobsmuschel-Langeweile, die für drei von vier Restaurants der Gegend typisch ist, kommt bei ihm gar nicht erst auf.
An einem der beiden riesigen Weinfässer, die als Terrassentische dienen, hockt ein stadtbekannter Gastronom und brüllt ins Mobiltelefon: „Ich sitze hier in einer komischen Gegend und esse sensationell.“ Eine gute halbe Stunde später hat sich zu ihm ein stadtbekannter Sternekoch gesellt, der die Adjektive bestätigt.
Das Winklers befindet sich in der Leibnitzstraße zwischen Nestor- und Kantstraße. Gegenüber das Meta-Bürohaus, ein ehemaliges Umspannwerk der BEWAG, links oben die Bahnstrecke, es gibt schönere Ecken in Charlottenburg.
Das wissen auch die beiden Gastronomen, die aus Stralsund nach Berlin kamen, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Das Angebot passte, ein kleiner Laden, bezahlbar, den sie zu zweit stemmen können. Das Konzept klingt denkbar einfach: Henri Winkler bemüht sich in der Küche um einen persönlichen Stil und vernünftige Preise für seine Gerichte, Kerstin Stejuhn-Pfeiffer um eine freundliche Bedienung. „Kein Angeberrestaurant, sondern ein Wohlfühlort“, sagt Winkler.
Seit der 48-jährige Koch und seine Partnerin im Beruf wie im Leben im Februar 2010 das Winklers eröffneten, geht es stetig bergauf. Erste Stammgäste, Mund-zu-Mund-Propaganda, wer einmal hier war, kommt wieder. Wie die beiden Spitzenköche, deren Urteil das Inhaber-Paar natürlich ungemein stolz macht.
Kennengelernt haben sich Henri Winkler und Kerstin Stejuhn-Pfeiffer übrigens schon 1983 – in einem überfüllten D-Zug der Deutschen Reichsbahn Richtung Ostsee. Er war damals 21 und Jungkoch auf der Insel Usedom, sie, knapp 17, lernte im heimatlichen Torgelow Verkäuferin. Einem ersten Kuss folgten viele Briefe, dann war Funkstille. 2006 trafen sie sich wieder, zufällig…
Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte, auch eine, die das Leben schrieb.
Winklers
Leibnitzstraße 41
10629 Berlin-Charlottenburg
Tel. 030 – 97 86 35 37
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