Régis Louviot – Fischers Fritz

Published on Juli 30, 2010 by Redaktion   ·   No Comments

Christian Lohse hat, standesgemäß, gleich drei Sous Chefs. Gefragt, welchen wir interviewen sollten, antwortete der Zwei-Sterne-Koch: „ Alter kommt vor Schönheit“. Der Modeltyp Christian Voß war damit aus dem Rennen, Alexander Mac hatte sowieso seinen freien Tag, also – Régis Louviot. Der, der am längsten an Lohses Seite schuftet und dabei alle Höhen und Tiefen im Leben eines Starkochs kennenlernen konnte. Sternepartys, Totalschäden, Wiederauferstehungswunder. Die Sinuskurve von Erfolg und Niederlage.

Régis Louviot, Geburtsdatum 29. Oktober 1976, Geburtsort Vittel – die wichtigsten Angaben aus seinem Reisepass. „Vittel liegt im südwestlichen Lothringen, rund 80 Kilometer von Nancy entfernt“, erklärt er.

Koch, das war Louviots Traumberuf, schon als Kind wollte er nichts anderes werden. Nach dem Abitur besuchte er eine Berufsfachschule. Abschluss und erste Commistelle in einem Landgasthaus in den Vogesen. „Der Bauernhof mit Essensmöglichkeit“, wie Louviot sagt, lief nicht besonders. Der Jungkoch wurde arbeitslos.

Zufällig las er eine Anzeige. Ein Restaurant in einem Ort mit unaussprechlichem Namen – obwohl er in der Schule acht Jahre Deutschunterricht hatte – suchte einen Koch. „Ich telefonierte am Mittwoch und war am Freitag dort“, erinnert er sich, „in Bad Oeynhausen, in der Detmolder Straße.“ Das war 1997.

Er lernte Christian Lohse kennen, der sich in seiner Heimatstadt nach fünf Lehr- und Wanderjahren in Frankreich mit einer alten flügellosen Windmühle und geschmacksintensiver Küche selbstständig gemacht hatte. Louviot erlebte den Aufstieg des Restaurants und die Pleite. Er blieb dennoch und ging mit Lohse nach Berlin, zuerst in die Grunewald-Versenkung, dann nach Mitte, auf den hauptstädtischen Präsentierteller.

„Im Fischers Fritz dürfen wir uns keinen Fehler erlauben“, sagt Louviot und redigiert die Speisenkarte. Zehn Köche warten auf Kommandos. Der Service bringt den ersten Bon. „Onsenei, Seesaibling“, annonciert der Sous Chef. Er ist in seinem Element. „Solange die Arbeit sicher ist, ist alles okay“, das ist Régis Louviots letzter Satz. Dann fordert der Service wieder seine ganze Aufmerksamkeit.

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