Grieche ohne Gyros

Published on April 13, 2010 by Redaktion   ·   No Comments

Der Kretaner in Zehlendorf

Elena Spanopoulou und Dimitris Psallidakis sind Bilderbuchgriechen – nicht nur, was ihr Äußeres, sondern auch, was ihren Stolz auf die Heimat und deren kulturelle und damit auch kulinarische Traditionen betrifft.

Dimitris, 43, stammt aus Ágios Nikólaos, dem „griechischen St. Tropez“, auf der Insel Kreta. Nach einer gastronomischen Ausbildung in einem großen Hotel – sein Vater war dort Küchenchef – kam er 1989 nach Deutschland.

Elena, 38, wurde als Tochter griechischer Eltern in Stuttgart geboren und studierte im heimatlichen Thessaloniki Modedesign. Beide lernten sich in Berlin kennen und eröffneten Anfang Oktober 2003 in einem Haus der denkmalgeschützten Zehlendorfer Bruno-Taut-Siedlung gleich gegenüber dem U-Bahnhof Onkel Toms Hütte eine winzige Pension und ihr Restaurant „Der Kretaner“. Freunde prophezeiten dem Paar ein schnelles Ende und hatten gute Gründe: erstens ist das konservative Zehlendorf nicht unbedingt ein Ort für neue kulinarische Ideen (der Vorgänger, das Gasthaus Eierkuchen, war 30 Jahre lang der Platzhirsch) und zweitens kommt in Berlin nach  dem Italiener, Chinesen und Spanier erstmal lange, lange nix … und dann erst der Grieche (gastronomisch gesehen natürlich).

Dimitris und Elena probierten es mit authentischen Gerichten ihrer Heimat – die Reaktionen waren zwiespältig. Immer wieder wurden sie nach Gyros gefragt, immer wieder verneinten sie: „Wir sind doch kein Imbiss.“  Irgendwie überzeugten sie schließlich selbst die gyrosversessensten Berliner und siehe, es ging auch ohne das fast-foodige Säbelfleisch im Pitafladen.  Fein, leicht und frei von allzu vielen Kompromissen an den deutschen Gaumen kommen die Fleisch- und Fischgerichte auf den Teller.  Fettige Moussaka, verbrannte Kalamarakia und vertrocknete Biftekia sind im Kretaner kein Thema. Traditionelle Gerichte aus guten Produkten, so heißt die Philosophie. Mezes gia apolafsi, eine Auswahl kalter und warmer Vorspeisen; Psaro piatella, eine Fischplatte oder Arni giaourti, Lammkeule aus dem Backofen mit Schafsmilchjoghurt überbacken, sind gekonnt zubereitet und gelten nicht umsonst als Kretaner-Highlights. Eine gute Weinkarte, ein separater Veranstaltungsraum, ein Spiel- und ein eigener Gästeparkplatz ergänzen das Angebot.  Erklärungsbedarf besteht lediglich beim Restaurantnamen: weshalb eigentlich „Der Kretaner“, wenn doch die Inselbewohner Kreter heißen?

Der Kretaner

Riemeister Str. 129

14169 Berlin-Zehlendorf

Tel. 030-84 71 91 17

www.derkretaner.de

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