Silberblick

Published on Februar 27, 2010 by Redaktion   ·   No Comments

Maske-Brillen aus Kreuzberg

Wer etwas will, sucht Wege, wer etwas nicht will, sucht Gründe. Tanos Haddad will etwas; er wollte schon immer etwas. Der Libanese, 1953 in Beirut geboren, kam mit 17 Jahren nach Berlin, lernte Flugzeugmechaniker und begann an der Technischen Universität ein Maschinenbaustudium. Abbruch, Optikerlehre, Meisterprüfung, Selbstständigkeit. Dem eigenen Laden in Spandau folgte 1988 ein Fachgeschäft am Kreuzberger Mehringdamm. Spätestens da hätte er eine ruhige Kugel schieben können. Augen prüfen, Gläser schleifen, Gestelle reparieren, so wird man alt. Tanos Haddad jedoch ist ein unruhiger Geist und ein kreativer dazu – und – er liebt seinen Beruf. Als der Meister Anfang der 90er Jahre seine erste eigene Kollektion Acetatbrillenfassungen auf deutschen Optikermessen vorstellte, staunten die Apolloniker und Fielmänner nicht schlecht. Ein kleiner Krauter aus Kreuzberg stahl Ihnen die Schau. Maske-Brillen, so Haddads Label, wurden zum Messeschlager, blieben aber dennoch ein Nischenprodukt. Die Industrie hatte nachgezogen und produzierte in Asien Acetatbrillen am Fließband.
Tanos Haddad begann über neue Materialien und deren noch bessere Verarbeitung nachzudenken. „Ich bin immer auf der Suche nach dem Besonderen“, sagt er. Er fand es in Form massiven Silbers und einer uralten japanischen Schmiedetechnik – Mokume Gane. Deren Ziel ist es, durch das Verschweißen dünner Metallplatten ein möglichst kontrastreiches, einmaliges Muster zu erzeugen. 935er Silber für die Brillenherstellung – viel zu weich, lästerte ein Teil der Branche. Wozu die aufwändige und teure Mokume Gane-Technik wieder ausgraben, wenn sich Metall genauso gut bedrucken lässt, schüttelte der Rest den Kopf.

Tanos Haddad und sein Team:

Ein pensionierter Feinmechanikermeister, der in seiner Freizeit beim Werkzeugbau half; eine arbeitslose Goldschmiedin, die ihm vom Amt geschickt wurde und seine Partnerin Claudia Theil, Psychologin und Quereinsteigerin ins Brillengeschäft, die das Marketing und den Vertrieb übernahm. Gemessen an dem, was Branchenriesen für eine Brillen-Neuentwicklung aufbieten, nicht gerade ein Dreamteam. Doch die vier ließen sich selbst von Rückschlägen nicht beirren, machten das Silber gefügig, bauten eigene Scharniere, weil die industriell gefertigten zu grob waren und stellten im Januar 2008 auf der opti-Messe in München ihre ersten Serienmodelle vor. Handgefertigte Silberbrillen in limitierter Auflage. Auf einer Ausstellung im Sommer in Tokio verneigten sich Japaner vor den kleinen Kunstwerken und ihren Schöpfern. Im High-Tech-Land Japan gilt Handwerk noch was. Computer können eben doch nicht alles „Meine Brillen müssen auch stimmige, kleine Kunst-Stücke sein, wenn sie mit geschlossenen Bügeln auf dem Tisch oder im Etui liegen“, kommentiert der Optikermeister das Ergebnis der Arbeit seines kleinen Teams. Chapeau, Tanos Haddad.

Maske Brillen Design
Mehringdamm 66
10961 Berlin-Kreuzberg
Tel. 030-786 30 14
www.maske-berlin.de

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